Die schönsten Märchen

Es war einmal…“ so beginnen die meisten der in Deutschland populären Märchen. Die anschließenden Ausführungen erzählen von Gut und Böse, von sprechenden Tieren, Fabelwesen, Hexen und Zauberern. Doch nicht nur im deutschsprachigen Raum unterhalten sich die Menschen seit Äonen mit jenen Erzählungen.

Eine weltweite Erfolgs-„Geschichte“

In allen Ländern und allen Kulturkreisen existieren märchenhafte Legenden. Die ältesten Belege dafür lassen sich in Indien finden. Dort sind Geschichten verbürgt, die man sich bereits seit 2000 Jahren immer wieder erzählt. Eine der bedeutendsten indischen Sammlungen meinen die Panchatantra-Märchen. Die fünf Bücher jener Erzählung berichten von tierischen Freundschaften, vom Getrennt werden sich liebender Personen und weisen darüberhinaus eine moralische Lehre auf. All jene Charakteristika findet man in jedweden auf der Erde erzählten Märchen. Die Panchatantra fanden ihren Weg in den heutigen Iran und befruchteten damit die berühmten Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht. Damit stehen die vormals ausschließlich mündlich überlieferten Geschichten weltweit in einer engen Verbindung zueinander. Auch wenn die jeweiligen Märchen durch die Kultur und die Religion eines Landes beeinflusst wurden, darf man davon ausgehen, dass sich sich alle untereinander vermischt und genährt haben.

Märchen – die älteste Unterhaltungsbranche der Erde

In Ermangelung technischer Geräte blieben den Menschen in früheren Zeit nur die abendlichen Gespräche am Lagerfeuer. Radio, Fernseher oder gar das Internet waren völlig unbekannt, Unterhaltung, Ablenkung und Entertainment schätzte man jedoch schon zur Zeit der Jäger und Sammler. Man gab Ansichten, Moralvorstellungen und Erfahrungen an die jüngere Generation weiter und tat dies auf eine leicht verständliche und kindgerechte Art und Weise. Hübsch verpackt, lehrte man den Sprösslingen Respekt vor der Natur zu haben, zu teilen oder nicht mit fremden Menschen mitzugehen. Um die Nachkommen vor Unheil zu schützen und positiven Einfluss auf ihr späteres Leben zu nehmen, reicherte man die Geschichten also mit einer tiefgründigeren Lehre an.

Unwahr und doch gehaltvoll

Diese derart entstandenen Erzählungen werden unter dem Begriff Volksmärchen zusammengefasst. Sie lassen sich weder an einem bestimmten Ort fest machen, noch kann man einen Verfasser oder Erfinder des Märchens bestimmen. In den ungarischen Märchen ersetzt das deutsche „Es war einmal…“ die Ausführung „In einem fernen, fernen Land, jenseits von ,Ob der Enns“. Damit spielen alle Märchen der Magyaren irgendwo im heutigen Oberösterreich, Bayern und Salzkammergut. Durch mündliche Überlieferung haben sich die später niedergeschriebenen Prosatexte verändert, abgewandelt und in jeder Familie wurden die Helden und Bösewichte mit anderen Attributen ausgeschmückt. Die Märchenerzählung lebt von der Mund-zu-Mund-Propaganda und erst berühmte Sammler wie die Gebrüder Grimm hielten die Geschichten fest.

Kunstmärchen – der Phantasie eines Einzelnen entsprungen

Zu allen Zeiten gab es Märchenverfasser, die die Erzählungen auch schriftlich festhielten. So gelten der dänische Schriftsteller Hans Christian Andersen, Wilhelm Hauf oder Selma Lagerlöf als Erfinder zahlloser Geschichten. Letztere Schriftstellerin erhielt für ihren Text „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ den Literatur-Nobelpreis. Auch all jene Märchen sind absolut fiktiv, zeitlos und könnten sich irgendwo auf dieser Welt abgespielt haben. Andersen & Co. lassen Tiere menschliche Züge annehmen, Zwerge und andere Protagonisten sprechen mit Feen, Kobolden oder Naturgeistern und alle besitzen gute oder böse Charaktere.

Träumen erlaubt

Kindliche Zuhörer können in den Geschichten ganz deutlich die edlen, von den hinterlistigen Charakteren unterscheiden. Damit findet eine klare Kategorisierung statt und es gibt kein Vertun über Heil- und Unheil. Die Geschichten rund um die Darstellung des Guten und Bösen variieren indes stark und spielen sich in einer trivialen Welt ab. Die kindliche Phantasie wird dadurch angeregt. Welches Kind malt sich ein essbares Hexenhäuschen wie in „Hänsel und Gretel“ nicht in den schillerndsten Farben aus? Gleichzeitig obliegt es leider nurmehr den Kleinsten, Phantastereien als Wahrheit hinzunehmen. Sie hinterfragen nicht, ob es sprechende Spiegel, Rehe oder Wölfe gibt, sie glauben es einfach. Mit den Märchen erlaubt man den Kindern, sich Tagträumen hinzugeben und damit wichtige Verbindungen zwischen den einzelnen Hirnarealen zu bilden.

Die berühmtesten Märchen

In der Erzählung von Hänsel und seiner Schwester setzten Eltern aus purer Not ihre Kinder im Wald aus. Die Kinder kommen an ein „Häuschen aus Pfefferkuchen fein“ und werden von einer bösen Hexe überlistet. Nachdem Sie ihrerseits über die Hexe triumphieren konnten, kehren sie mit Hilfe einer Ente wieder zu ihrem Elternhaus zurück. Bei „Hänsel und Gretel“ wird Kindern gelehrt, sich nicht blenden zu lassen. Das Hexenhaus übt mit seinen Leckereien eine magnetengleiche Anziehungskraft aus, führt die Kinder aber beinahe ins Verderben. Anders bei „Rotkäppchen“. Das kleine tapfere Mädchen bringt ihrer kranken Großmutter artig die versprochenen Waren und kann in ihrer unschuldigen Haltung einem bösen Wolf entkommen. Die Lehre dahinter appelliert an die Gradlinigkeit im Leben. Wer nicht vom rechten Weg abkommt, wird dafür belohnt werden. „Schneewittchen“ flieht vor der bösen, eitlen Stiefmutter und überlebt mehrere ihrer Attacken. Dabei wird sie von sieben Antihelden unterstützt. Die Zwerge wirken einzeln zwar wenig furchteinflössend, doch ihre Freundschaft macht sie stark. Dass am Ende der Prinz Schneewittchen quasi von den Toten auferweckt, erzählt von der Unbesiegbarkeit der Liebe.

Bildquelle: © dmitrimaruta / Fotolia.com

Kim Redlin

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